Eine grenzwertige Randen-Erfahrung

Grenzwertig? Eine körperlicher Grenzerfahrung? Ein grenzwertiges Geschmackserlebnis? Nein – ganz einfach ein Wanderweg, der entlang der deutsch-schweizerischen Grenze führt und mal auf diese, mal auf die andere Seite dieser fällt.

Randen? Das wohl farbintensivste Gemüse welches solch wunderbare Flecken auf T-shirt und Hose verursacht? Welches gerne als Salat oder Carpaccio serviert wird oder einfach nur als Farbgeber mit dazu geschnetzelt wird? Nein – Randen der Höhenzug in Schaffhausen bzw. Baden-Württemberg, welcher am höchsten Punkt gut 930 Meter über Meer liegt.

Und wie kommt das beides zusammen? Ganz einfach: wir waren vergangenes Wochenende mal wieder in einem der Schweizer Pärke unterwegs, dieses Mal im Naturpark Schaffhausen und haben dort eine kurze Rundwanderung über den Randen, entlang dem Grenzweg gemacht – ein Erlebnisbericht.

„Der regionale Naturpark Schaffhausen ist von weiten Ackerflächen, einzigartigen Trockenwiesen, grossen Wäldern, sorgfältig gepflegten Rebbergen und dem Rhein mit seiner einzigartigen Flusslandschaft geprägt.“

.. so heisst es in der Schweizer-Pärke-Broschüre. Ausserdem sollen darin eingestreut verschiedene „einzigartige Ortsbilder mit regionaltypischen Fachwerkbauten“ liegen. Nun, wenn das mal nicht verlockend klingt? Also haben wir uns auf gemacht, in eines dieser Ortsbilder – welches unserer Meinung nach allerdings nicht unbedingt das Prädikat „einzigartig“ verdient – auf nach Bargen.
Bargen liegt gut 20 Busminuten nördlich von Schaffhausen, so ziemlich im äussersten nördlichen Zipfel der Schweiz (und ist faktisch denn auch die nördlichste Gemeinde der Schweiz). Mit gut 283 Einwohnern könnte man es durchaus als „Kaff“ bezeichnen, welches denn auch nicht viel mehr zu bieten hat als 2 Restaurants (wovon eines geschlossen war!), 2 Tankstellen, 2 Bushaltestellen, ein paar Mehrfamilienhäuser und eine Schnellstrasse mitten durchs Dorf. Bargen liegt an der Durach im oberen Merishausertal, wo sich das Tal weiter in Hof- und Mülital verzweigt. Getrennt werden diese beiden Täler durch den Nieder Hengst (746 m.ü.M.) und den anschliessenden Hoh Hengst (861 m.ü.M.). Und genau auf diese beiden Hengste führte uns unsere kleine Rundtour als erstes.

Route

Bargen – Bargen (ca. 13 km, ca. 3h)

Wir stiegen also erstmal gut 250 m auf, was erstmal nicht nach viel klingt, es machte aber an diesem Sonntag genau den Unterschied aus zwischen unter/im Nebel und über dem Nebel. Dabei führte uns der Weg durch einen wunderschönen, lichten Buchenmischwald, welcher auf weiten Strecken noch mit Schnee bedeckt war, gemächlich hinauf auf den Rücken des Hohen Hengsts, wo wir ein erstes Mal die Grenze kreuzten. Auffällig waren die allgegenwärtigen violetten Farbtuper, überall entlang des Weges. Dabei handelte es sich um kleine Ansammlungen des Leberblümchens, Hepatica nobilis. Es gehört zu den im Frühjahr am frühsten blühenden Arten und besiedelt gerne kalkreiche Böden in lichten Buchen- oder Eichenwäldern. Als Kalk- und Lehmzeiger gilt es als Charakterart von mitteleuropäischen Laubwäldern, insbesondere von Kalkbuchenwäldern.Den Namen erhielt es wahrscheinlich aufgrund seiner Laubblätter, welche im Umriss an die Form der menschlichen Leber erinnern. Im Gegensatz zur Schweiz, wo es als „nicht gefährdet“ gilt, ist es sowohl in Deutschland als auch in Österreich geschützt und darf nicht gepflückt oder ausgegraben werden. Offenbar ist es vor allem dadurch gefährdet, dass es sehr beliebt als Gartenpflanze ist und deshalb gerne ausgegraben wird.

Anschliessend führte uns der Weg auf deutscher Seite weiter zum Klausenhof und schliesslich zum Feldbergblick, welcher sogleich als Mittagsplatz auserkoren wurde. Von dort aus hatte man nämlich einen wunderbaren Blick hinunter ins Mühlbachtal und die angrenzenden Hügellandschaftten – ohne Hochnebel wohl noch weiter. In gewohnter (souveräner) Pfadfindermanier entfachten wir dort also ein Feuer, brätelten unsere Cervelats und genossen diese bei wunderschöner Aussicht  – sowohl ein Augen- als auch ein Gaumenschmaus!

Frisch gestärkt ging es anschliessend der Grenze nach weiter bis zum Schwarzen Stein – dem nördlichsten Grenzstein der Schweiz, wovon früher offenbar Verbannte und Verurteilte von der Schaffhauser Obrigkeit abgeschoben wurden – und weiter nach Neuhaus am Randen. Wir hatten gehofft, dass vielleicht Neuhaus jetzt solch ein „einzigartiges Ortsbild“ darstellen würde, wurden aber leider ebenso enttäuscht – bis auf einen „Hof“ mit unglaublich vielen Kaninchen, Katzen, Pferden, Hunden, Meerschweinchen und was weiss ich alles mehr, gab es dort nicht wirklich etwas zu entdecken. Wir wanderten deshalb direkt weiter, überquerten wieder die Grenze und absolvierten noch das letzte Stück Weg zurück nach Bargen hinunter.

Alles in allem war es eine sehr angenehme Tour, was die Länge und das Höhenprofil angeht (ca. 13km lang, ca. 250 Höhenmeter rauf und runter, ca. 3h), das Wetter war top, der Buchenmischwald auf dem Hengst wirklich schön und der Feldbergblick zum Mittagessen ein wahres Highlight. Leider konnten wir die „weiten Ackerflächen“ (da noch nicht bestellt) und „sorgfältig gepflegten Rebberge“ zu diesem Zeitpunkt nur erahnen und auch die „einzigartigen Ortsbilder“ haben wir auf dieser Tour nicht angetroffen – nichtsdestotrotz ist dieses interessante Gebiet im äussersten nördlichen Schweizer Zipfel auf jeden Fall mal eine Reise wert!

2 Gedanken zu „Eine grenzwertige Randen-Erfahrung

  1. Lieber Christian
    Herzlichen Dank für den Randen-Wanderbericht. Ja, es ist eine Charaktergegend, unverwechselbar.
    Wir kennen sie auch. Ich vermute,Reben triffst du hier kaum, die sind südlicher, vor allem im Klettgau und
    ich meine, der gehört auch noch zum Naturpark, wahrscheinlich ist fast der ganze Kanton Naturpark-
    gebiet. Ich hoffe, ihr habt die Würste nicht geschwärzt (wie der Vater) und noch einen kräftigen Schluck
    Schaffhauser (eben aus dem Klettgau- Hallauer oder Gächlinger oder Wilchinger oder Schlaatener)
    gebechert. Sicher ist, es ist nicht nur in den Bergen schön zum Wandern.
    Viel Vergnügen bei der nächsten Fussunternehmung.
    Hans

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    • Lieber Häns

      Mhm stimmt schon, die grossen Weingebiete sind wohl eher weiter südlich – müssen wir uns im Sommer/Herbst dann sicher auch mal anschauen.. und natürlich auch die entsprechenden Produkte testen 😉
      Ach und was die Würste angeht, so habe ich natürlich aus all den Kohlesäcken vom Vater gelernt und unsere Cervelats fachmännisch fast nicht schwarz gebrätelt – gemäss der Familientradition aber natürlich mit einem anständig grossen Feuer, das ist klar!

      Danke für deine Rückmeldung, euch auch viel Spass bei der nächsten Tour und bis bald!
      Herzliche Grüsse, Christian

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