the great journey has begun!

Sie sind wieder unterwegs: Amphibien aller Art beginnen langsam ihre warmen Winterquartiere zu verlassen und machen sich auf den beschwerlichen Weg zu ihren Laichplätzen!

Amphibien on tour!

Amphibien on tour!

Sobald das Thermometer im Frühjahr das erste Mal auch in der Nacht über Nullgrad bleibt und zudem einigermassen feuchte Bedingungen herrschen, beginnen Frösche, Kröten und Molche aller Art ihre Winterschlafplätze zu verlassen und ihre Laichhabitate aufzusuchen. Zu den ersten Arten, die sich auf den Weg machen, gehören die sogenannten „Braunfrösche“, also Spring- und Grasfrosch. Diese brechen meist bereits kurz nach der Schneeschmelze, oft schon im Februar auf. Ebenfalls zu den „Frühaufstehern“ gehören Teich- und Bergmolch, welche sich Ende Februar, Anfangs März auf den Weg machen, gut zwei Wochen später folgen die Erdkröten und wiederum ein bis zwei Wochen später die Wasserfrösche (Teich- und Seefrosch). Zu den Letzten gehören dann der Laubfrosch und die Kreuzkröte, sowie die Gelbbauchunke, welche meist erst im April oder im Mai an den Gewässern anzutreffen ist.

Statistik Amphibienwanderungen 2013

Statistik der Amphibienwanderung 2013 (Quelle: KARCH)

Aus diesem Grund wurden in den vergangenen Jahren vermehrt entsprechende Schutz- und Rettungsmassnahmen eingeführt. Dazu zählen zum einen provisorische Amphibienzäune entlang von Strassen, welche die wandernden Amphibien in sogenannte «Fangkübel» leiten. Diese werden anschliessend von freiwilligen Helfern über die Strasse getragen und die Amphibien sicher auf der anderen Seite wieder entlassen. Da die Frühjahrswanderung aber artabhängig zeitlich gestaffelt und witterungsabhängig abläuft, bedingt dies eine intensive Betreuung durch Freiwillige über mehrere Wochen. Auf diese Weise werden laut der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz Schweiz (KARCH) jährlich über 100’000 Frösche, Kröten und Molche über die Strasse getragen.

Zum anderen wurden in den letzten Jahren an einigen Schlüsselstellen fixe Amphibien-unterführungen gebaut, damit die Tiere ohne aufwändige Betreuung, selbständig und gefahrlos die Strasse unterqueren können. Der Bau solcher Anlagen bedarf allerdings einer gründlichen Planung durch Fachpersonen und setzt sehr gute Kenntnisse der lokalen Amphibienpopulationen voraus – nicht selten wurden in der Vergangenheit nämlich solche doch verhältnismässig teuren Anlagen zu kurzsichtig geplant, was schlussendlich dazu geführt hat, dass die Unterführungen von den Tieren kaum bis gar nicht genutzt wurden (da sie z.B. zu klein dimensioniert, an der falschen Stelle gebaut oder durch ungenügende Leitbauwerke unterstützt waren).

Eine weitere Massnahme sind temporäre, nächtliche Strassensperrungen bzw. Umleitungen während der Hauptwanderzeit, welche es den Amphibien erlauben hindernisfrei und gefahrlos die jeweilige Strasse zu überwinden. Diese Massnahme ist kostengünstig und mit keinem grossen Aufwand verbunden und sollte, auch gemäss KARCH, häufig die Massnahme erster Wahl sein. Leider stösst sie aber dennoch oft auf massiven Widerstand seitens der Autofahrer, auch wenn die Schweiz über eines der dichtesten Strassennetze verfügt und so ziemlich jede Strasse ohne grossartigen Zeitverlust x-fach umfahren werden kann..

All diese Massnahmen tragen sicher dazu bei, dass zumindest ein Teil der Amphibien ihre Wanderungen unbeschadet überstehen – generell kann es aber sicher nicht schaden, in dieser Zeit ein wenig achtsamer zu sein, wenn man am Abend oder in der Nacht mit dem Auto (oder auch mit dem Velo) unterwegs ist – die Frösche und Kröten dieser Welt danken es dir!

Haben die Frösche, Kröten oder auch Molche dann aber diese Hürde erstmal überwunden und sind an ihrem Laichgewässer angekommen, beginnt für sie der spassige Teil dieses Unterfangens – es wird sich gepaart, Amphibien-style!
Alsbald wird also gequakt und gerufen was das Zeug hält, schliesslich sollen die werten Amphibiendamen ja auf die anwesenden Männchen aufmerksam gemacht werden. Dabei verfügen alle einheimischen Frösche und Kröten über einen ganz eigenen, artspezifischen Ruf und können anhand dessen auch (mehr oder weniger) eindeutig bestimmt werden. Der Ruf ist allerdings auch temperaturabhängig und variiert entsprechend in Intensität und Lautstärke. Offenbar ist es den Weibchen zudem möglich, anhand des Rufes besonders „attraktive“ Männchen zu erkennen – Studien zufolge sollen laute und ausdauernde Rufer mehr Partnerinnen anlocken können..

Die Molche und Salamander auf der anderen Seite sind allesamt stumm und verfügen über keinen eigenen Ruf. Das heisst aber nicht, dass sich diese nicht auch ins Zeug legen würden.. so verfügen die Molche ihrerseits jeweils über einen mehr oder weniger aufwändigen und artspezifischen Balztanz, mit welchem sie den Weibchen imponieren wollen. Dabei werden allerlei Duftstoffe versprüht, mit dem Schwanz gepeitscht und der Rückenkamm zur Schau gestellt. Dieser ist, nebst dem Balzverhalten, offenbar auch Auswahlkriterium Nummer 1 bei den Weibchen.

Entwicklung eines Frosches

Entwicklung eines Frosches

Haben sich dann erstmal ein Weibchen und ein Männchen gefunden, kommt es zur Paarung – diese geht allerdings oft nicht gerade romantisch oder behutsam von sich. Oft herrscht an den Laichgewässern nämlich ein massiver Männerberschuss, was dazu führt, dass zum einen so ziemlich alles besprungen wird, was sich bewegt (auch andere Männchen oder auch z.B. ein menschlicher Finger), zum anderen kommt es nicht selten vor, dass sich mehrere Männchen gleichzeitig an ein Weibchen klammern, oder dass ein bereits am Weibchen klammernder Artgenosse unsanft von diesem entfernt wird – gerade die Erdkröten sind diesbezüglich nicht gerade zimperlich. Klappt es aber trotzdem, werden die befruchteten Eier ins Wasser abgelegt – im Falle der Erdkröten in bis zu 5m langen Laichschnüren, im Fall des Grasfrosches in grossen Laichballen. Die Weibchen der Molche kleben ihre befruchteten Eier einzeln an Wasserpflanzen, indem es mit den Hinterbeinen ein Blatt faltet und ein einzelnes Ei hineinlegt. Dadurch sind die Eier gut versteckt und für Laichräuber schwieriger zu finden.

Solltet ihr also in nächster Zeit an einem kleinen Tümpel oder Teich vorbei kommen und dort am Rand solche glibbrigen Ballen oder zwischen den Wasserpflanzen irgendwelche „gepunkteten Schnüre“ entdecken, so handelt es sich hierbei um Amphibienlaich und entsprechend um abertausende kleine, werdende Frösche und Kröten.

Aus diesen Eiern entwickeln sich in den folgenden Wochen die Larven (Kaulquappen), welche anschliessend eine Metamorphose durchmachen, wobei sie von Kiemen- auf Lungenatmung umstellen und es entstehen Jungfrösche bzw. Jungkröten oder Jungmolche. Diese verlassen meist umgehend ihre Larvengewässer und wandern in ihre Landlebensräume ab. Zurück kommen sie erst wieder, wenn sie sich selber das erste Mal fortpflanzen – sofern sie ihrerseits dann diese gefährliche Wanderung überstehen..

Good luck Mr. frog!

 

für mehr Infos zur Amphibienwanderung oder zu Amphibien allgemein: KARCH

2 Gedanken zu „the great journey has begun!

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