Everglades (Florida, USA) – Endlose Sümpfe, drückende Hitze, tausende Moskitos? Nicht im Winter!

Ein Gastbeitrag von Stefan G.

Nashornpelikane (American white pelicans) – Die grössten Wasservögel weltweit. Jedes Exemplar verdrückt 2 kg Fisch pro Tag = 150 kg täglich für die ganze Kolonie. Entsprechend stinkt der Schlafplatz schon von einem Kilometer Entfernung.


Stefan reist gerne und viel, in letzter Zeit berufsbedingt vor allem in Südostasien. Über Silvester war er aber während zehn Tagen in den Everglades unterwegs – ein Reisebericht.

Als Reiseziel für Naturliebhaber ist der drittgrösste Nationalpark der USA (nach Death Valley und Yellowstone) speziell in unserer kühleren Jahreszeit einen Besuch wert. Bei angenehmen 25 °C lässt sich das UNESCO-Weltnaturerbe im Januar ohne viel Schweiss entdecken. Und das Gebiet bietet weit mehr als nur Sumpfland. In einer Vielfalt von Ökosystemen leben skurrile Kreaturen, gefährliche Räuber, begehrte Gewächse, eingeschleppte Unordnugsstifter und gefiederte Schönheiten.

Gespiesen wird das Feuchtgebiet mit dem Wasser vom Lake Okeechoobee im Norden Floridas. Ein Wassertropfen, der aus dem Lake Okechoobe durch die Everglades fliesst, benötigt ein volles Jahr, bis er schlussendlich im Golf von Mexiko landet. Unterwegs durchquert er diverse vom Wasser geprägte Landschaften. Angefangen bei den endlosen Graspräriebenen, durch lichte Pinienwälder, überflutete Sumpfzypressenwälder bis hin zu den mosaikartig verteilten Mangrovenwäldern. Ein paar wenige Zentimeter Höhenunterschied bedeuten hier bereits eine vollständig neue Pflanzengemeinschaft.
Allen Biotopen gemeinsam ist, dass jeder Fleck Sonne genutzt wird um Photosynthese zu betreiben. Selbst unter dem Kronendach gedeiht eine üppige Vegetation. Die Bäume sind übersäht mit Aufsitzerpflanzen: Urchige Farne, seltene, von „Wilderern“ begehrte Orchideen, südamerikanisch-anmutende Bromelien und bartartig herunterhängendes spanisches Moos verleihen den Wäldern ein tropisches Flair.
Die hohe pflanzliche Primärproduktion (terrestrisch und aquatisch) bedeutet gleichzeitig auch eine grosse Diversität von heterotrophen Lebewesen – oder kurz: Nahrung für alle. Diverse Räuber kommen auf ihre Kosten: an jedem Tümpel lauert ein Storch, ein Reiher oder ein Schlangenhalsvogel. In der Luft kreisen Seeadler, Fischadler und Pelikane. Unter Wasser machen altertümliche Hornhechte und ausserirdisch anmutende Weichschildkröten Jagd auf Fische. Und allgegenwärtig sind Alligatoren – rund 2 Millionen soll es davon in den Feuchtgebieten der Everglades geben. Auf zehn Einwohner gibt es in Florida somit einen Alligator.

Eine andere Flaggschiffart ist dafür kaum zu entdecken: Der Florida Puma (Puma concolor coryi). In den 90er Jahren gab es nur noch rund 20 Exemplare dieser kleinen Unterart des normalen Pumas. Durch erfolgreiche Schutzmassnahmen erholte sich der Bestand zum Glück wieder und aktuell leben rund 200 Pumas in den Sümpfen Floridas. Sein Frühstück muss sich der Puma allerdings hart erkämpfen. Eingeschleppte Tigerpythons haben die Bestände der gemeinsamen Beute (Waschbären, Opossums und Kaninchen) innerhalb 15 Jahren um 90 % dezimiert. Trotz den regelmässig stattfindenden „Python Challenges“, bei denen über Tausend Hobby-Schlangenjäger die Sümpfe nach Pythons durchkämmen, scheint es hoffnungslos, diese südostasiatischen Eindringlinge jemals wieder loszuwerden.

Graspräriebene – Früher lebten hier Indianer. Heute machen diese Geschäfte in Casinos oder im Hard Rock Café.

Die Regierung und die Bevölkerung haben die Bedrohung dieses einmaligen Biosphärenreservates jedoch erkannt und arbeiten gemeinsam an der Wiederherstellung des Ökosystems. Die natürlichen Wasserflüsse werden durch das Entfernen von Dämmen wiederhergestellt. Nicht-einheimische Pflanzen, wie z.B. der australische Eukalyptus, werden grossflächig entfernt. Vom Aussterben bedrohte Arten, wie das dem Alligator verwandte Salzwasserkrokodil, werden gefördert. Trotzdem ist noch viel Aufwand notwendig um die Everglades als Naturerbe, Trinkwasserspender und Tourismusmagnet zu erhalten.

Hoffen wir, dass dieses Unterfangen gelingt und dass wir vielleicht auch einst in den Genuss dieser einzigartigen Landschaft kommen – danke für diesen interessanten Beitrag, Stefan!

meist in Südostasien unterwegs. Diesmal ausnahmsweise auch in Amerika anzutreffen.

 

 

 

 

Über den Autor: Stefan hat ebenfalls Biologie studiert und betreut momentan als Produktmanager Pharmaprojekte in Südostasien. In seiner Freizeit interessiert er sich vor allem für Fische, Leichtathletik und Wellenreiten und ist grundsätzlich für jedes Abenteuer zu haben.

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