Wasservögel der Schweiz (Ep. 1): Die Wasseramsel

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Wasseramsel in der Töss

Pünktlich zu Weihnachten gibts einen Artikel zu.. Lachs? Zu Entenbraten?  Oder zu ökologischen Christbäumen? Nein – zu Wasservögeln!
Und was hat das mit Weihnachten zu tun? Gar nix.

Ursprünglich wollte ich einen Artikel über den Eisvogel schreiben.. da es sich aber als wirklich tricky erwiesen hat, diesen blauen Flitzer überhaupt vor die Linse zu bekommen, habe ich erstmal mit ein wenig „langsameren“ Motiven begonnen – zwar nicht minder interessant, aber eben nicht so strahlend blau wie der Eisvogel! Geplant ist nun eine kleine Serie zu einheimischen Wasservögeln: kurze Portraits dieser faszinierenden Wasserbewohner, gespickt mit ein paar Details, die den meisten wahrscheinlich bis jetzt noch nicht bekannt oder bewusst waren.

… und auch wenn ich’s bis jetzt noch nicht geschafft habe, so habe ich das Ziel „Eisvogel“ sicher noch nicht verworfen und werde mich weiter an die Töss begeben – bis ich diesen blauen Pfeil  auch noch erwischt habe. Entsprechend wird diese Serie dann eben kürzer oder länger, je nachdem wie schnell ich erfolgreich sein werde..

Los geht’s heute mit einer eher unscheinbaren kleinen Wasservogelart, die aber nicht minder spektakulär ist: sie kann nämlich nicht nur gut schwimmen, sondern auch noch ausgezeichnet tauchen – die Wasseramsel!

Die (eurasische) Wasseramsel (Clinclus cinclus) ist die einzige in Mitteleuropa vorkommende Vertreterin der Familie der Wasseramseln (Cinclidae) zu der noch 4 weitere Arten gehören. Sie wird ca. 18 cm gross (und 50-80 g schwer) und ist damit ähnlich gross (oder klein) wie ein Star. Ihr Kopf und Nacken sind zeichnungslos braun,  der Rücken und die Flügel sind dunkelgrau geschuppt. Auffällig ist sicher die weisse Kehle und Brust (ein sogenannter „Brustlatz“), welcher nach unten hin oft von einem braunen/orangen Streif begrenzt wird. Männchen und Weibchen unterscheiden sich diesbezüglich nicht – die Männchen sind lediglich meist etwas schwerer und haben entsprechend geringfügig längere Flügel.

Wo kommen Wasseramseln vor?

Wasseramseln sind stark an klare, strömungs- und sauerstoffreiche Fliessgewässer gebunden. Die Gewässer weisen idealerweise einen steinigen oder kiesigen Untergrund auf und haben zumindest abschnittsweise dicht bebuschte Ufer. Gerne halten sie sich auf grösseren Steinen an kleinen Schnellen, Wasserfällen oder eben auch auf künstlichen Schwellen (siehe oben) auf, wo sie Jagd auf Wasserinsekten, Fische, Wasserschnecken etc. machen. Ausserdem sollte das Gewässer auch im Winter eisfrei bleiben und eine relativ hohe Gewässerqualität aufweisen.

Aufgrund der relativ spezifischen Lebensraumansprüche der Wasseramsel (klare, strömungs- und sauerstoff- und strukturreiche Gewässer mit guter Gewässerqualität), eignet sie sich gut als Indikatorart für einigermassen intakte Fliessgewässer (allerdings immer mit Vorbehalt – gerade z.B. die Töss ist nicht unbedingt ein Vorzeigebeispiel für „naturnahe“ Gewässer..).

Was fressen Wasseramseln?

Wasseramseln ernähren sich ausschliesslich carnivor (fleischfressend). Dabei ernähren sie sich vorwiegend von Wasserinsekten (v.a. Larven von Eintags-, Stein- und Köcherfliegen), aber auch von Süsswasserschnecken, Würmern, kleinen Krebsen oder sogar kleinen Fischen (z.B. Groppen).

Wie jagen denn die Wasseramseln?

Wasseramseln wenden beim Nahrungserwerb verschiedene Strategien an:

  • Die einfachste Form ist das Aufpicken von Beutetieren vom Boden, von der Wasseroberfläche oder von Blättern.
  • Beim sogenannten „Wasserlugen“ tauchen sie den Kopf in stehender oder schwimmender Lage kurz ins Wasser und suchen so den oberflächennahen Untergrund nach Beute ab.
  • Die häufigste und zudem spektakulärste Form der Nahrungsbeschaffung ist aber das Tauchen. Dabei wenden sie unter Wasser Steinchen und lösen festsitzende Insektenlarven. Durchschnittlich tauchen sie so zwischen 5 und 10 Sekunden, es wurden aber auch schon Tauchgänge von bis zu 30 s dokumentiert.

Wie ist es möglich, dass ein Vogel so gut tauchen kann?

Wasseramseln haben einige spezielle Anpassungen ausgebildet, die es ihnen erlauben sehr geschickt zu schwimmen und zu tauchen. Dazu gehören schwere, markgefüllte Knochen, kurze rundliche Flügel und ein festes, pelzdaunenreiches Gefieder. Ausserdem wird das Auge unter Wasser durch die halbtransparente Nickhaut geschützt und die Ohröffnung durch eine Hautfalte verdeckt. Beim Schwimmen rudert sie mit den Beinen, beim Tauchen ist der Körper gegen die Strömungsrichtung abwärts geneingt und der Schwanz ist aufgestellt. Dadurch wird der Vogelkörper gegen den Gewässergrund gedrückt und der Vogel kann dort relativ energiesparend verweilen und nach Beute suchen. Unter Wasser paddelt die Wasseramsel mit den Füssen und stösst sich immer wieder vom Untergrund ab. Die Hauptantriebswirkung entsteht jedoch durch die Flügel, welche sie rudernd einsetzt.

Weitere Besonderheiten?

Besonders auffällig und ebenso charakteristisch wie das gelegentliche Untertauchen ist das sogenannte Knicksen und Blinzeln der Wasseramseln. Beim Knicksen knickt der Vogel im Fersengelenk kurz ein, oft werden die Flügel leicht gespreizt, wobei der übrige Körper waagrecht und ruhig bleibt. Die Intensität und Frequenz des Knicksens ist erregungsabhängig, es konnten bis zu 81 Knickse pro Minute gezählt werden. Das Knicksen dient hauptsächlich der Kommunikation mit Artgenossen, eine unterstützende Funktion beim räumlichen Sehen wäre aber auch möglich.
Beim sogenannten Blinzeln handelt es sich um das reflexartige Schliessen der Augenlieder, welches unter Singvögeln häufig vorkommt. Bei der Wasseramsel ist es allerdings ein wenig auffälliger, da dabei jeweils das ansonsten verborgene, weiss gerandete Augenlid aufblitzt.

Ausserdem verfügt die Wasseramsel über ein beeindruckendes Stimmrepertoire – leider wird ihr Gesang aber oft von der lauten Geräuschkulisse ihres Lebensraums übertönt. So soll der Gesang jeweils eine ca. 20-sekündige Abfolge von zwischernden und trillernden Phrasen in unterschiedlichen Tonhöhen sein, in die gepresste, schwätzende und kratzende Laute sowie leise Pfeiftöne eingebettet werden. Zudem verfügt sie über verschiedene stimmungsabhängige Rufe, welche (laut Literatur) wie zit, zrib oder zirk klingen sollen, oft gereiht.. also z.B. zip… zip…zip… – alles klar oder? Am besten einfach mal an einen schönen Bach (oder eben auch an die Töss) fahren und sich selbst ein Bild (bzw. einen Ton) machen.

So, ich hoffe da waren ein paar interessante und noch unbekannte Details zu diesem „unscheinbaren“ Wasservogel dabei –
weiter gehts in der nächsten Episode mit dem Graureiher (Ardea cinerea).

Und jetzt trotzdem noch, aus gegebenem Anlass:

Frohe Festtage!

 

 

2 Gedanken zu „Wasservögel der Schweiz (Ep. 1): Die Wasseramsel

  1. Interessanter Artikel. Bis heute habe ich nur im Nationalkpark Wasseramseln gesehen. Offenbar scheinen sie sich jetzt auch im Mittelland wohlzufühlen.
    Ein Eisvogel ist mir bis jetzt nicht über den Weg gelaufen. Vielleicht hast Du mehr Glück?

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  2. Mhm doch, die trifft man durchaus auch im Mittelland an. So auch den Eisvogel – den habe ich zwar schon einige Male gesehen (z.B. an der Töss oder in den Thurauen), allerdings noch nie vor die Linse gekriegt. Das schaff ich aber hoffentlich bald auch mal noch..

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