Pfynwald – Der Biodiversitätshotspot im Herzen des Wallis!

Wandern im Herbst macht Laune – die Wälder erstrahlen in allen möglichen Grün-, Gelb- und Rottönen, sie lichten sich langsam und erscheinen so angenehm hell, die Temperaturen sind angenehm, die Pilze schiessen aus dem Boden, mitunter hört man einzelne Hirsche röhren.
Wandern im Herbst bei wunderbarem Wetter macht umso mehr Laune – die sanften Sonnenstrahlen durchfluten den Wald, die Vögel zwitschern, das Mittagessen kann man getrost kurzärmlig geniessen und die Regenjacke bleibt ungebraucht im Rucksack vestaut.
ABER: Wandern im Herbst, bei wunderbarem Wetter, in einem einzigartigen Naturpark, wie es der Pfynwald im Wallis einer ist, ist einfach nur ein Genuss!

So geschehen letztes Wochenende, wo wir uns ins Wallis aufgemacht haben, um während dreier Tage den Naturpark „Pfyn-Finges“ in all seiner Vielfalt zu erkunden – Etappe 3 in meiner Tour de parcs Suisse!

Der Regionale Naturpark Pfyn-Finges liegt im Herzen des Wallis, zwischen Gampel und Sierre und reicht von 500 bis max. 4100 m.ü.M.. Er erstreckt sich über 12 verschiedene Gemeinden und bildet den Übergang zwischen Unter- und Oberwallis und somit zwischen Deutsch und Französisch. Er beinhaltet eine Vielzahl von verschiedenen und äusserst interessanten Lebensräumen: so findet man in seinem Kerngebiet einen der grössten zusammenhängenden Föhrenwälder der Alpen sowie ein national bedeutendes Auengebiet, man findet Waldbrandflächen, Steppen und Graslandschaften, aber auch Moore und vielerlei Stehgewässer, welche ihn auch noch zu einem Amphibiengebiet von nationaler Bedeutung machen. Und als wäre das noch nicht genug, kommen mit dem imposanten Illgraben und der darüberführenden Bhutanbrücke noch eine geologische resp. kulturelle Besonderheit hinzu. Ausserdem findet man wo man hinschaut Rebhänge, welche in über 80 verschiedenen Weinhandlungen in diesem Gebiet resultieren – und die gilt es natürlich (alle) auszuprobieren..

Am ersten Tag sind wir von Sierre, der Rohne entlang, nach Salgesch gewandert. Eine zwar kurze, aber durchaus empfehlenswerte Wanderung. Während den knapp 2h schlängelt sich der Weg immer ziemlich dicht der Rhone entlang und man kriegt einen wunderschönen Einblick in die (trotz Restwasser) noch sehr dynamische Fluss- und Auenlandschaft „Pfynwald“. Aufgrund des weiter östlich liegenden Illgrabens, einem eigentlich kleinen Wildbach, welcher aber durch intensive Niederschläge und in Kombination mit Schmelzwasser in kürzester Zeit stark anschwellen kann und somit immer wieder grössere Mengen an Geschiebe mit sich bringt, verändert sich die Rhone auf diesem Abschnitt fortlaufend. Ständig werden neue Gerinne gebildet, alte Seitenarme an- oder abgekoppelt, neue Kiesbänke gebildet und andere wiederum abgetragen – der ganz normale Kreislauf in einer intakten Auenlandschaft. Eine Aue lebt von dieser Dynamik, sie lebt von periodisch wiederkehrenden Hochwassern, von Umlagerungen, Überflutungen und Wegspülungen. Daraus entstehen immer wieder neue, unterschiedliche Lebensräume und diese werden wiederum von ganz unterschiedlichen, speziell an die jeweiligen Umweltbedingungen angepassten Pflanzen- und Tiergemeinschaften besiedelt. Es entstehen unglaublich spannende und vielfältige Mosaike an Lebensräumen und Lebensgemeinschaften – wahre Biodiversitäts-Hotspots!
Leider wird der Rhone direkt oberhalb vom Illgraben in Susten durch ein Wasserkraftwerk eine grosse Menge an Wasser abgezogen und erst unterhalb der Aue wieder zugeleitet – wäre dies nicht der Fall, würde sich diese Auenlandschaft wahrscheinlich noch um einiges eindrücklicher entwickeln.

In Salgesch angekommen, findet man sich dann in einem wahren Weinbaudorf wieder: an jeder Ecke werden Trauben geerntet, verarbeitet oder verkauft und natürlich auch serviert und probiert (siehe unten) – sehr zu empfehlen!

Am zweiten Tag starteten wir einigermassen früh und fuhren mit dem Zug nach Turtmann. Von dort aus ging es mit einer winzigen Seilbahn – neben uns bestiegen noch zwei Mountainbiker mit ihren Bikes die Kabine, danach war sie bereits übervoll – hoch nach Unterems, einem wunderbar gelegenen, kleinen, idyllischen, Bergdorf auf knapp 1000 m.ü.M.. Da wir wieder mit perfektem Wetter verwöhnt wurden, gewährte sich uns von dort ein wunderbarer Blick über das gesamte Rhonetal, inklusive den feuerrot leuchtenden Perückensträucher in den Felsensteppen auf der gegenüberliegenden Talseite.

Unterems

Unterems

Mit einem frischen Kaffe gestärkt, machten wir uns dann auf Richtung Westen – Ziel: Illgraben bzw. Bhutanbrücke und schlussendlich Leuk. Zuerst kreuzten wir einige Weiden und Mähwiesen, bevor wir dann immer tiefer in die herbstlichen Wälder eintauchten.Weiter gings über den Emsbach, entlang einer alten Suone (einer Wasserleitung zur Bewässerung), bis wir schliesslich im Schutzgebiet des Pfynwald ankamen. Es ist äusserst erstaunlich, wie sich auf diesem Weg die Wälder immer wieder verändern, mal wanderte man durch lichtdurchflutete Föhrenwälder, dann wieder durch dichte Laubwälder – gerade im Herbst ein wahres Fest für die Augen!

Schliesslich wurde der Wald wieder lichter, die Stimmen wurden lauter und wir erreichten nach gut 3h den Illgraben und die dazugehörige (Touristenattraktion) Bhutanbrücke. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten lediglich eine Handvoll Kühe und ein einsamer Mountainbiker unseren Weg gekreuzt, bei der Bhutanbrücke herrschte dann aber ein reges Treiben.
Die Bhutanbrücke ist knapp 135 m lang, einen Meter breit, führt über den Illgraben und verbindet das deutschsprachige mit dem französischsprachigen Wallis. Ausserdem steht sie für die Verbundenheit des Wallis mit dem Königreich Bhutan – sie hat also doppelt symbolischen Charakter. Nun mag man sich fragen, was genau das Wallis mit dem Königreich Bhutan gemeinsam hat? Naja, beide haben Berge. Und da die UNO im Jahr 2002 das „Jahr der Berge“ ausrief, um die Solidarität zwischen Bergregionen zu fördern, wurde kurzerhand diese Hängebrücke als Symbol für diese länderübergreifende Verbindung realisiert.

Anschliessend ging es nochmal durch riesige Föhrenwälder ganz hinunter ins Tal und zurück nach Leuk. Leuk selbst liegt am gegenüberliegenden Hang, eingebettet in üppige Rebhänge und überzeugt durch typischen Walliser Charme: mit schönen alten Häusern, einem eindrücklichen Rathaus (siehe unten) und natürlich dem entsprechend leckeren Traubensaft..

Generell war es eine sehr angenehme und schöne Wanderung, gut machbar in 4-5 h, weitestgehend sehr ruhig und beinahe menschenleer (mit Ausnahme der Bhutanbrücke).

Nachdem wir uns am Abend des zweiten Tages standesgemäss noch mit typischen Walliser Spezialitäten verköstigt (Wild, Käseschnitte und Wein) und gut ausgeschlafen hatten, machten wir uns am dritten und letzten Tag noch auf nach Leukerbad, um noch ein wenig den nördlichen Teil des Naturparks zu erkunden.
Ich persönlich hatte keine allzu grossen Erwartungen, was Leukerbad selbst anging, ich rechnete mit einem typischen Touri-Skiort: viele klobigen Betonblöcke, grosse Seilbahnbauten, grosszügige Sport- und Badeanlagen. Glücklicherweise wurden meine Erwartungen nur zu einem kleinen Teil bestätigt und es präsentiere sich über weite Strecken doch ein einigermassen hübsches Bergstädtchen (mal abgesehen von den wirklich hässlich anzuschauenden Thermen-Anlagen!). Da aber Leukerbad ja nur unseren Startpunkt darstellte, war dieser Eindruck sowieso nur von kurzer Dauer und wurde kurze Zeit später von einer Vielzahl an unglaublich schönen Bildern überlagert. Das Dauben- und das Rinderhorn, die umliegenden Wälder und Wiesen – alles erstrahlte dermassen bunt, kräftig und prachtvoll – wir waren wirklich überwältigt!

Wir folgten dann dem alten Römerweg, welcher vorbei an Birchen und Bodem, im Tal immer weiter runter und schliesslich bis nach Inden führte. Und auch wenn die Wanderung insgesamt nicht mehr als 2h dauerte, so waren unsere „Festplatten“ danach mehr als voll mit wunderschönen Bildern und Eindrücken (und nebenbei bemerkt auch jene der Kamera..). Aber überzeugt euch am besten selbst:

Anschliessend kurvten wir mit dem Postauto wieder runter nach Leuk, wo wir uns ein letztes Mal – ihr ahnt es schon – den Walliser Freuden widmeten: gutes Essen und Wein.

Zum Schluss, auf dem Weg vom Städtchen runter zum Bahnhof, ereignete sich dann für mich persönlich noch ein (weiteres) kleines Highlight: wir entdeckten nämlich am Wegrand eine kleine Gottesanbeterin (genauer eine „Europäische Gottesanbeterin, Mantis religiosa).
Ich selber hatte bis dahin noch nie live eine Gottesanbeterin gesehen (zumindest nicht im freien Feld) und war gleichermassen erstaunt wie entzückt. Die Europäische Gottesanbeterin gehört zu den Fangschrecken (Mantodea) und ist die einzige in Mitteleuropa vorkommende Vertreterin dieser Ordnung. Sie ist dabei auf ausgesprochene Wärmeinseln beschränkt, da ihre Larven im Frühjahr ein entsprechendes Beuteangebot benötigen. Zur Jagd sitzen die Gottsanbeterinnen starr im Gras oder an einem Halm und warten bis sich Beute nähert. Ist das Opfer nah genug, schnellen ihre Vorderbeine und die verlängerte Hüfte blitzschnell nach vorn, die Beute wird zwischen Schenkeln und Schienen eingeklemmt und direkt anschliessend verspeist. Wie wahrscheinlich weitläufig bekannt, kann es bei der Ordnung der Fangschrecken auch vorkommen, dass das Weibchen das Männchen gelegentlich vor, während oder nach der Paarung auffrisst.

Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa)

Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa)

Insgesamt hat uns dieser Ausflug ins Wallis und in den Pfynwald äusserst gut gefallen! Wir waren wirklich fasziniert von der unglaublichen Lebensraum- und Artenvielfalt in diesem Gebiet!
Wir waren an drei Tagen in diesem Naturpark unterwegs, jeweils kaum ein paar Kilometer auseinander, und doch unterschieden sich die Wanderungen und Eindrücke jeweils grundlegend – faszinierend!

Santé und Prost, bis zum nächsten Mal!

Liste

Fotos: Franziska Kiss (Tag 2) und meine Wenigkeit (Tag 1 und 3)

Mehr Infos unter: www.pfyn-finges.ch

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