Zernez – Chamanna Cluozza – Valun Chafuol — an zwei Tagen quer durch den Nationalpark!

Ausblick von der Chamanna Cluozza das Val Cluozza hinauf

Ausblick von der Chamanna Cluozza das Val Cluozza hinauf

Letztes Wochenende führte mich die zweite Etappe meiner Tour de parcs Suisse in die Mutter aller Schweizer Pärke: in den Schweizerischen Nationalpark!

An zwei Tagen wanderten wir von Zernez aus in die Chamanna Cluozza, übernachteten dort, um am nächsten Tag von dort aus über die Fuorcla Murter hinüber ins Spöltal und schliesslich zur Posthaltestelle P3, Valun Chafuol, zu wandern.

Traumhaftes Wetter, eine unglaublich schön gelegene Hütte und aussergewöhnliche Wildbeobachtungen machten diese Tour zu einem wahrhaftigen Highlight!

headerWir starteten letzten Freitag Morgen in Zernez. Das Wetter war wie vorausgesagt ideal – es war angenehm warm, der stahlblaue Himmel wurde lediglich von ein paar Schönwetterwölkchen geziert, perfekte Wanderbedingungen. Von Zernez aus ging es erstmal ein paar Meter der Ofenpassstrasse entlang, bevor wir dann in den nahe gelegenen Wald abzweigten und langsam in Richtung Val Cluozza aufstiegen. Da der grösste Teil des Aufstiegs durch den Wald führt, gestaltet sich dieser ziemlich angenehm und ist dann auch nach gut 2.5h geschafft (insgesamt ca. 700 Höhenmeter). Oben angekommen, wird einem ein wunderbarer Blick über das imposante Val Cluozza inklusive der dahinter liegenden Gipfel gewährt – ein idealer Ort für die Mittagspause!

Frisch gestärkt ging es dann an den Abstieg, runter ins Tal, zum namensgebenden Wildbach: dem Ova da Cluozza. Auch wenn bei unserem Besuch der Wasserstand (noch) nicht sonderlich hoch war, so war am breiten Bachbett und an den überall herumliegenden Baumstämmen deutlich zu erkennen, was für eine enorme Kraft dieser Bach nach der Schneeschmelze oder nach starken Regenfällen entwickeln kann. Hat man diesen Bach dann überquert, fehlen nur noch ein paar wenige Meter und man erreicht die Chamanna Cluozza!

Die Chamanna Cluozza ist eine bereits 1910 errichtete Holzhütte, welche einst vor allem für die Mitarbeiter des Nationalparks vorgesehen war, mittlerweile aber bis zu 63 Personen einen Schlafplatz bietet. Sie liegt wirklich ideal: mitten im Nationalpark, mit bester Sicht auf das gesamte Cluozza-Tal sowie die umliegenden Gipfel. Ist man erst einmal dort angekommen, sind die Strapazen des Aufstiegs, bei einem kühlen Bier im angenehmen Schatten der beistehenden Föhren und Lärchen, schnell vergessen. Wir wurden sowohl vom Hüttenteam, wie auch von den anderen Hüttengästen überaus freundlich empfangen und fühlten uns sofort wohl!

Was sonst so die Begebenheiten der Chamanna Cluozza anbelangt, so entspricht diese einer typischen Berghütte: kein Handy- oder Internetempfang, kein Strom (zumindest nicht für die Gäste), kein Warmwasser und um 10 Uhr ist Nachtruhe! Dafür wird man entschädigt mit totaler Ruhe (mal abgesehen vom Schnarchen aus den Nebenzimmern), einem wunderbaren Panorama, grasenden Hirschen auf der gegenüberliegenden Talseite, sowie deftigen Älplermakkaronen zum Abendessen (zumindest in unserem Fall – ansonsten stehen wohl noch auf dem Speiseplan: Ghackets&Hörnli, Riz Casimir, Käseschnitten etc. – Hüttenklassiker eben!).

Ebenso vorgegeben war das Frühstück, welches jeweils von halb 7 bis halb 8 stattfindet. Dementsprechend früh starteten wir dann am Samstag zum zweiten Teil unserer Tour und machten uns auf zur Fuorcla Murter. Hierbei handelt es sich um die „Krete“ zwischen Piz Terza und Piz Murter, sowie um den Übergang vom Cluozza- zum Spöltal. Es lohnt sich auf jeden Fall die gut 700 Höhenmeter schon früh in Angriff zu nehmen – zum einen liegen sie dann noch im kühlen Schatten, zum anderen sind die Chancen früher am Morgen besser, auf der Fuorcla oben Gämsen, Steinböcke oder Hirsche zu sehen (und man hat ja sowieso keine Wahl, nach halb 8 gibts kein Frühstück mehr!). Für uns zumindest hat es sich sicher mehr als gelohnt, wir kamen nämlich in den Genuss, ein ganzes Hirschrudel (20-30 Tiere) und etliche Gämsen über längere Zeit beim friedlichen Grasen an den Berghängen beobachten zu können. Ausserdem tauchte, während wir dort eine kleine Stärkung zu uns nahmen, plötzlich ein Bartgeier auf und zog gemächlich seine Kreise über uns, bevor er dann wieder in Richtung Ofenpass verschwand – ein wirklich sagenhaftes Naturschauspiel!

Von der Fuorcla Murter geht es dann über einen ziemlich steilen Weg im Zickzack auf der anderen Seite wieder runter und man gelangt durch wunderbar wilde Wälder hinunter zum Spöl. Dort kann man sich entscheiden, ob man noch ein Stück dem Spöl flussaufwärts folgen möchte und in Punt la Drossa (P4) dem Postauto zusteigt oder ob man direkt in Valun Chafuol (P3) das Postauto nimmt. Wir haben uns dann für letzteres entschieden. Da ich aber das Spöltal durch eine vergangene Studie bereits aus eigener Erfahrung kenne, kann ich sagen, dass sich dieser zusätzliche Abstecher dem Spöl entlang bestimmt lohnen würde. Denn obwohl dem Spöl ein Stausee voranliegt (der Lago di Livigno) und er deshalb oft nur eine Restwassermenge führt, so wird er doch von Zeit zu Zeit absichtlich mit „künstlichen“ Hochwassern geflutet, was seine Dynamik erhöht und ihn ökologisch deutlich aufwertet. Dementsprechend wild und ungezähmt präsentieren sich dann auch seine Ufer und das gesamte Tal – auf jeden Fall auch einen Besuch wert.

Alles in allem haben wir für die gesamte Tour insgesamt gut 8h gebraucht – ca. 3.5h von Zernez in die Chamanna Cluozza und wiederum gut 4.5h von der Chamanna über die Fuorcla Murter nach Valun Chafuol.

Fazit: Wo Nationalpark drauf steht, ist auch Nationalpark drin! Liste

Ich war schon einige Male im Nationalpark unterwegs und war bis jetzt noch jedes Mal total fasziniert. Das Engadin ist ja sowieso schon eine wunderschöne Gegend – imposante Berge, farbenfrohe und vielfältige Alpwiesen, schöne Dörfer und Häuser. Befindet man sich aber dann noch im Nationalpark, kommt noch die ungezähmte Wildnis dazu – unbewirtschaftete Wälder und Wiesen sowie die (theoretische) Chance alle möglichen Tiere, inkl. Bär, Wolf und Luchs, beobachten zu können. All dies zusammen ergibt einfach immer ein super Erlebnis! Wer sich dann noch nicht scheut vor anderen schnarchenden Hüttengästen, kaltem Wasser und einer Toilette im Holzhäuschen nebenan, der findet in der Chamanna Cluozza zusätzlich noch wahrhafte Hüttenidylle.

Wir waren sicher nicht das letzte Mal dort – definitiv eine Empfehlung wert!

Wer noch weitere Infos zum Nationalpark oder zur Hütte  möchte, findet diese hier: Nationalpark; Chamanna Cluozza

Fotos: Franziska Kiss / meine Wenigkeit

4 Gedanken zu „Zernez – Chamanna Cluozza – Valun Chafuol — an zwei Tagen quer durch den Nationalpark!

  1. Dieses nahrhafte Türchen machten wir auch schon. Gegen den Spöl hinunter, wo das Weglein steinig und
    und die Sonne ziemlich stechen kann, kreuzten zwei Kreuzottern unsere Spur, darum heissen sie Kreuzottern,
    weil sie manchmal rein zufällig unsern Weg kreuzen. Das ist die biologische Erklärung für die Namensgebung.Auf viele gute Begegnungen unterwegs.
    Renate und Häns

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    • Achsoo, achsoo.. und ich dachte immer, das komme daher, dass sie regelmässig zu hastigen Bekreuzigungen bei erschrockenen und totgeweihten Wanderern führen – naja, wieder was gelernt! 🙂
      Wir haben auf jeden Fall aber auch eine solche Begegnung gemacht, allerdings erst ganz zum Schluss, direkt an der „sütigheissen“ Ofenpassstrasse unten..

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  2. Hallo Christian,
    mit grossem Interessen habe ich deinen Bericht gelesen, und die tollen Fotos bewundert.
    Was meinst du, ist diese Wanderung auch für mittelmässige Radiowanerer machbar ?
    Liebe Gruess
    Küde

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    • Grüezi grüezi Küde,

      Jaja, diese Wanderung ist durchaus auch Wander- bzw. Gehstock-tauglich, erst bei einem Rollator könnte es knifflig werden.. 😉
      Planst du einen weiteren Männerriegenausflug? In diesem Falle einfach unbedingt Oropax mitnehmen – die Wände sind ungefähr so dick wie ein Stück Karton.. was zu erheblicher Lärmbelastung führen kann!

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