Auf Schlangenspuren in der Innerschweiz – eine Reptilienexkursion am Alpnachersee

Würfelnatter am Alpnachersee (Foto: Roman Alther)

Im Rahmen des diesjährigen Reptilienkurses der KARCH führte uns diese Exkursion an den Alpnachersee im Kanton Nid- bzw. Obwalden. Geographisch in der Innerschweiz gelegen, weist er dank eines übereifrigen Zahnarztes in den 50er-Jahren z.T. die Reptilienfauna des Tessins auf. Dieser hatte wohl ein Ferienhäuschen im schönen Tessin und war selber Reptilienfan – was ihn dazu veranlasste, ein paar Tiere, namentlich Würfelnattern, mit zu sich nach Hause am Alpnachersee zu nehmen, wo sie (oder ihre Jungtiere) später dann ausgesetzt wurden und so eine stabile Würfelnatterpopulation am Lopper etablierten. Und mit „stabil“ ist gemeint, dass mitunter schon einmal mehrere Hundert Würfelnattern gezählt wurden, auf der Strecke von Alpnachstad nach Stans Stad (ca. 6 km).

Wir starteten einigermassen früh am Morgen in Alpnachstad, mussten aber schon bald feststellen, dass wohl auch das nicht früh genug war an diesem heissen Samstag! Schon bald stieg das Thermometer gegen die 30° C, was nicht nur uns zu schaffen machte, auch den meisten Reptilien war das wohl zu heiss. Denn entgegen dem weitverbreiteten Volksglauben, dass man Schlangen vor allem an richtig heissen und sonnigen Tagen antrifft, so wird es ihnen dann, ähnlich wie uns Menschen, auch schnell einmal zu heiss und sie verziehen sich in ein Versteck. Reptilien sind am besten dann zu beobachten, wenn sie aufgrund der herrschenden Witterung gezwungen sind, sich länger ausserhalb ihrer Verstecke aufzuhalten, um ihren Körper mit der nötigen Wärme aus dem Sonnenlicht zu versorgen. Im Sommer sind deshalb Schlechtwetterperioden, bewölkte, teils sogar regnerische Tage fast erfolgsversprechender, da sich die Schlangen dann aufgrund der nur sehr begrenzt einfallenden Sonnenstrahlung längere Zeit exponieren müssen. An Hitzetagen, wie an diesem Samstag, können sie die erforderliche Wärme für ihren Körper innert kürzester Zeit aufnehmen und sind deshalb oft nur frühmorgens kurz ausserhalb ihrer Versteckplätze anzutreffen.
Nichtsdestotrotz machten wir uns auf den Weg und bekamen, dank unserern fachkundigen Führern, doch noch einige Reptilien zu Gesicht. Wir starteten mit ein paar Mauereidechsen, um dann bereits eines unserer Highlights dieser Exkursion zu entdecken: in einem schattigen, kleinen Betonbecken lag eine Baby-Schlingnatter (beinahe hätten wir sie übersehen – Robert gilt das Lob, dass er diese Schlange entdeckt hat).

Baby Schlingnatter (Foto: Roman Alther)

Baby Schlingnatter (Foto: Roman Alther)

Schlingnattern (auch Glattnattern genannt) gehören zwar zu den am weitesten verbreiteten Schlangen in der Schweiz, gleichzeitig aber auch zu den am seltensten entdeckten, da sie sehr versteckt leben. Schlingnattern sind stets auf Deckung bedacht und verlassen selbst zur Thermoregulation die schützende Vegetation kaum. Sie bevorzugt trockenwarme, steinige Standorte, welche auch zahlreiche Blindschleichen und andere Eidechsen – ihre Hauptnahrung – beherbergen. Da diese Standorte im Mittelland mittlerweile selten geworden ist, ist auch die Schlingnatter dort seltener anzutreffen oder weicht auf „künstliche“ Lebensräume wie Eisenbahnböschungen oder Gewässerverbauungen aus.

Danach ging unsere Wanderung weiter, am Nordwestufer des Alpnachersees entlang. Dort dauerte es dann auch nicht glange und wir stiessen auf das, was wir erwartet hatten: etliche Würfel-nattern. Es handelte sich zwar nicht gerade um Hunderte, aber auf der ganzen Wanderung entdeckten wir bestimmt an die 10 Exemplare und fingen eine gute Hand voll davon auch ein (bzw. unsere Exkursionsleiter).

Bei der Würfelnatter handelt es sich um eine meist gräuliche Schlange welche maximal 120 cm lang werden kann. Der Name rührt von ihrer z.T. würfelähnlichen Zeichnung her, welche aber sehr variabel und oft nicht als solche erkennbar ist. Viel auffälliger sind da ihre Augen, welche auffallend gross und etwas nach oben gerichtet sind – regelrechte „Glubschaugen„. Sie ist stark an Wasser gebunden, weshalb man sie meistens in unmittelbarer Nähe von Seen, Weihern oder Flüssen vorfindet. Grund für diese starke Bindung, ist ihr Leibgericht: Fisch.
Würfelnattern ernähren sich fast ausschiesslich von Fisch (z.T. auch von Amphibien). Sie jagt ihre Beute bevorzugt am Gewässergrund, lauert ihnen entweder auf oder verfolgt sie aktiv, indem sie Fischverstecke absucht. Ihr Schwimm- und Tauchvermögen sucht unter europäischen Schlangen seinesgleichen: belegt sind Tauchgänge von bis zu 20 Minuten. Aufgrund dieser längeren Aufenthalte im Wasser, ist sie allerdings anschliessend gezwungen sich wieder aufzuwärmen, was sie bevorzugt auf Steinen und Blöcken am Ufer tut, wo man sie dann eben auch gut beobachten kann.
Würfelnattern (wie auch Schlingnattern) sind ungiftig, werden sie ergriffen, versprühen sie aber meist ein übel riechendes Kloakensekret (jep, wirklich übel riechend!) oder stellen sich zuweilen auch tot.

Desweiteren sahen wir unzählige Mauereidechsen, eine sehr wärmeliebende Art, welcher die Hitze wohl am wenigsten anhaben kann, sowie ein paar Zauneidechsen. Beide sind relativ flexibel, was ihren Lebensraum angeht und können oft auch im Siedlungsraum angetroffen werden. Mauereidechsen bevorzugen (gerade in kühleren Regionen) ziemlich exponierte, steinige Standorte, wo die Besonnung ausreichend gewährleistet ist. Zauneidechsen hingegen findet man oft an Hecken und Waldrändern oder an Strassen- und Wegböschungen.

Die gesamte Wanderung entlang des Alpnachersees hat ca. 4h (inkl. Mittagspause) gedauert und ist auf jeden Fall zu empfehlen, wenn man mal Lust hat, einheimische Reptilien in freier Wildbahn zu beobachten.

Alles in allem war es meiner Meinung nach eine rundum gelungene Exkursion, auch wenn ein, zwei Grad weniger sicher nicht geschadet hätten!

Vielen Dank an unsere Exkursionsleiter, good job!

Weitere Informationen zu Reptilien (oder auch Amphibien) findet ihr auf der Website der Karch

2 Gedanken zu „Auf Schlangenspuren in der Innerschweiz – eine Reptilienexkursion am Alpnachersee

  1. Ein interessanter Exkursionsbericht! Ich hatte schon davon gelesen, dass in der Schweiz einige Würfelnatterpopulationen auf illegale Aussetzungen zurück gehen. Sind negative Auswirkungen durch diese Aussetzungen bekannt? Bei uns in Deutschland sind ja leider noch Reliktvorkommen der Würfelnatter zu finden. Die junge Schlingnatter ist doch fantastisch, oder!? Ich helfe seit diesem Jahr bei einem Schlingnatter Monitoring in Schleswig-Holstein und wir konnten an einem Septembertag gleich 6 Jungtiere beim Sonnenbad entdecken. Aufgrund der heimlichen Lebensweise meine absolute Lieblingsschlange!
    Liebe Grüße aus dem Norden,
    Patrick

    Gefällt mir

    • Hallo Patrick!
      Freut mich, dass dir mein Bericht gefällt. Was die illegalen Aussetzungen angeht, so sind zumindest mir keine direkten negativen Auswirkungen bekannt, ich habe nix dergleichen gelesen. Ist aber natürlich immer schwer zu sagen, auf welche Art und Weise solche eingeschleppten Arten ein eingespieltes Ökosystem beeinflussen. Die ganzen Konkurrenz- und Nahrungskettensysteme sind ja schon sehr komplex und auch dementsprechend fragil, von solchen willkürlichen Aussetzungen ist also auf jeden Fall immer abzusehen..
      Und ja, die junge Schlingnatter war wirklich ein Highlight – schönes Tier!

      Liebe Grüsse,
      Christian

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s