Der Kolibri Europas: das Taubenschwänzchen

Taubenschwänzchen (Foto: Dominik Garbauer)

Wenn man an Kolibris denkt, so denkt man sofort an kleine, bunte, unglaublich schnell mit den Flügeln schlagende Vögel, die irgendwo im Regenwald vorkommen, weit weit weg von uns – so ging es zumindest mir lange Zeit. Und dem ist ja auch so, die Familie der Kolibris (oder Trochilidae wie sie wissenschaftlich heissen), kommt tatsächlich ausschliesslich in Nord- und Südamerika vor. Von den gut 340 Arten leben die meisten rund um den Äquator, es gibt aber durchaus auch Kolibris in Kanada (z.B. der Rubinkehlkolibri) oder Alaska. Bis nach Europa hat es bis jetzt noch keiner geschafft und dies wird wohl (zumindest auf natürlichem Wege) auch nie geschehen – bei einer Flügelspannweite von maximal 21.5 cm. Und trotzdem könnte man von Zeit zu Zeit – vor allem von Mai bis Oktober  – meinen, es schwirre ein Kolibri durch den heimischen Garten. Dann nämlich, wenn die Taubenschwänzchen wieder bei uns unterwegs sind!

Beim Taubenschwänzchen (oder Macroglossum stellatarum mit wissenschaftlichem Namen) handelt es sich um einen Schmetterling aus der Familie der Schwärmer (Spinghidae), welcher zu den Nachtfaltern (obwohl er am Tag fliegt) zählt und welcher eigentlich in Südeuropa, v.a. im Mittelmeergebiet, heimisch ist. Da er aber ein Wanderfalter ist, erschliesst er sich jeweils im Sommer auch ganz andere Gebiete und kommt dann zum Teil bis in den hohen Norden (Grossbritannien, Island oder auch Russland) vor.

Taubenschwänzchen sind ausgezeichnete Flieger: aufgrund ihrer besondere Fähigkeit vor- und rückwärts fliegen zu können sowie zur Nahrungsaufnahme in der Luft stehen zu bleiben (der sogenannte „Schwirrflug“), werden sie oft mit Kolibris verwechselt. Ausserdem ähnelt ihr extrem langer Saugrüssel den ebenfalls zum Teil stark verlängerten Schnäbeln der Kolibris. Dieser lange Rüssel ermöglicht es den Taubenschwänzchen an Blüten heranzukommen, welche für fast alle anderen Insekten unerreichbar sind, solche nämlich, mit sehr langen Blütenkelchen (z.B. Winden, Natternköpfe oder das Seifenkraut). Die Schlagfrequenz ihrer Flügel beträgt um die 70-90 Schläge pro Sekunde und sie erreichen Fluggeschwindikgeiten von bis zu 80 kmh. Da ihr Flugverhalten einen enorm hohen Energieverbrauch verursacht, sieht man sie oft an Pflanzen mit zusammengesetzten Blütenständen (Dolden oder Rispen), wo sie äusserst emsig zwischen all den Blüten hin und her wechseln und so ihren Nektarhunger möglichst effizient zu stillen versuchen – dort können sie dann schon mal an die 100 Blüten pro Minute aussaugen! (weshalb es übrigens auch äusserst schwierig ist diese Tiere vernünftig zu fotografieren, sie sind wirklich äusserst flink unterwegs..)

Raupe des Taubenschwänzchens (Foto: Walter Schön)

Raupe des Taubenschwänzchens (Foto: Walter Schön)

Die Falter wandern jeweils im Frühjahr (Ende April, Mai) vom Mittelmeerraum über die Alpen nach Mittel- oder auch Nordeuropa, legen dort nach erfolgreicher Paarung ihre Eier ab, woraus sich dann bis im August eine neue Generation von Taubenschwänzchen entwickelt. Einige dieser Falter fliegen dann jeweils wieder zurück ins Herkunftsgebiet am Mittelmeer, andere versuchen in unseren Breiten zu überwintern. Da sie allerdings kaum frostresistent sind, überstehen nur wenige den Winter in unseren Breitengraden. Sollte aber der Klimawandel weiter voran schreiten, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich das Taubenschwänzchen ganzjährig bei uns aufhalten kann..

Ich für meinen Teil bin äusserst fasziniert von der Flugkunst dieser Tiere – glücklicherweise befinden sich direkt vor meinem Fenster einige Pflanzen die regelmässig ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen und wo ich sie dann immer mal wieder beobachten kann.

Dies ist also ein weiteres Beispiel dafür, dass man, um die geniale Vielfalt der Natur zu erleben, nicht zwingend immer tausende Kilometer fliegen muss – sie geschieht auch hier, gleich vor deiner Tür, gleich vor deinem Fenster!

2 Gedanken zu „Der Kolibri Europas: das Taubenschwänzchen

  1. Als wir vor einigen Jahren zum ersten Mal eim Garten ein „unbekanntes Flugobjekt “ .entdeckten, meinten wir zuerst, es handle sich um einen Kolibri, eine Folge der Klimaerwärmung. Seitdem stürzen sich die Taubenschwänzchen mit Begeisterung auf unsere Spornblumen und Sommerflieder.

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  2. Mhm das kann ich mir gut vorstellen – sind ja beides Pflanzengattungen mit aus vielen Einzelblüten zusammengesetzten Blütenständen. Da kann sich dieser Flugkünstler so richtig austoben und in Windeseile eine grosse Menge an Nektar zusammensuchen 🙂

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